Woran bewerten wir den Erfolg von Unternehmen?

Wachstum wird immer wieder als universeller Gradmesser verwendet um den Erfolg von Unternehmen zu bewerten. Doch taugt dieser wirklich dazu? Woran erkennen man starke und erfolgreiche Unternehmen? Welche Rolle spielt in dem Kontext EBIT?

Jeder kennt die Diskussion um Zalando, über Jahre wurden dort Verluste gefahrenund viele haben zu dem Zeitpunkt das Projekt Zalando schon als gescheitert angesehen. In den letzten Jahren hat man aber nun die Kurve gekriegt und nicht nur ein beachtliches Wachstum, sondern auch die Profitabilität erreicht.

Beispiel Amazon, Gewinne scheinen der Feind dieses Unternehmens zu sein. Praktisch alles wurde sukzessive in den Ausbau und die Optimierung gesteckt. Mit unglaublichen Wachstumsraten steht Amazon nun eigentlich blendend da und schreibt in letzter Zeit auch nicht nur die 0 sondern weist deutliche Gewinne aus.

Der Händler Zooplus spielt genau in dieser Liga mit, angefangen mit Verlusten, aber enormen Wachstum steht praktisch seit 2013 nicht nur steigende Wachstumsraten beim Umsatz, sondern auch ein positives Ergebnis nach Steuern.

Media-Saturn, der Name im Elektronik Geschäft über viele Jahre, hat aber praktisch seit 2011 keinen nennenswertes Wachstum mehr. Gewinn macht MSH (Media-Saturn-Holding) zwar immer noch, musste aber nach den fetten Jahren von 2010 (625M Euro EBIT) auf zwischenzeitliche 300M runter und liegt momentan bei rund 450M. Trotzdem wächst das Unternehmen im Umsatz wenn auch langsam.

Otto, zeigt im Multichannel-Einzelhandel seit 2011/12 ein Rückgang im Umsatz. Der EBIT für den Gesamtkonzern war zwar schon 2011/12 Positiv, schwächelt nun aber wieder. Der Umsatz zeigt nun langsam wieder nach oben, hat also ein Wachstum.

Unterschiedliche Ausgangssituationen

Betrachtet man die oben aufgeführten Firmen genauer, erkennt man die Unterschiedliche Historie und dementsprechend die Lasten. Ein Media-Saturn hat dank der noch immer zahlreichen, häufig nicht profitablen, Ladengeschäfte einen enormen Kostendruck. Zooplus, Amazon und Zalando hingegen können deutlich flexibler und Kosten effizienter arbeiten. Ein OTTO aus dem Versandhandel kommend, schafft nur mit aller größter Mühe gerade die Kurve und ist auf dem Weg zu einem entsprechendem Online Player.

Doch uns ging es ja um die Frage, wie bewerten wir nun solche Unternehmen und woran erkennen wir vermeintlich erfolgreiche Unternehmen? Oder aber, welche Unternehmen sind wirklich Gesund und haben etwas nachhaltiges?

Die Gesundheit von Unternehmen ist aus meiner Sicht heute schwieriger zu beantworten als früher. Durch den digitalen Wandel, sind alte Geschäftsmodelle ständig unter Beschuss von neuen innovativeren Konzepten. Dazu kommt aber auch das selbst innovative Player und online gestartete Unternehmen sich nun einer neuen Konkurrenz gegenübersehen. Es ist heute einfacher in den klassischen Handel einzusteigen als früher. Dadurch sinken insgesamt die Hürden für neue Player und es entsteht so eine andere Konkurrenzsituation. Insbesondere im stationären Handel war das eröffnen eines Ladens mit hohen Investitionen verbunden. Einen Online Shop kann man heute schon günstig mieten bei Shopify und Co.

Bei einer Bewertung der Unternehmen spielt also eine Entscheidende Rolle wie man sich hier gegen diese Veränderungen aufgestellt hat. Ein Amazon mit der massiven Optimierung des ganzen Logistikprozesses und dem Marktplatz, hat sich so beispielsweise in eine günstige Situation manövriert und kann eher entspannt in die Zukunft gucken. Trotzdem werden hier durch Amazon Prime (inklusive Video etc) den Dash Buttons, Alexa und die Ebook Reader und Tablets und nicht zu vergessen das Cloud Geschäft weitere Felder geschaffen. Man bleibt also nicht stehen sondern versucht neue Vertikale Geschäftsfelder zu finden oder Ergänzungen vorzunehmen bei denen es entsprechende Synergien gibt.

Zalando verschiebt sich selbst gerade vom Händler zur Plattform für Hersteller, dazu kommen immer wieder neue Projekte im Mobile Segment und ein extrem innovativ getriebenes Unternehmen insgesamt. Dank der Größe ist es Zalando mittlerweile möglich als Zugang zum Kunden zu fungieren und wird dadurch spannend für alle Marken. Dafür benötigt es aber auch einen Shop und ein Umfeld in dem sich Kunden besonders wohl fühlen und gerne wieder kommen. Getrieben durch besonders effektives Marketing und durch die Berliner Schule ist Zalando ein extrem Daten getriebenes Unternehmen geworden was eindrucksvoll zeigt wie man mit Kunden umzugehen hat.

Zooplus ist operativ auf den Spuren von Amazon und macht einfach vieles richtig. Dazu ein Sortiment das momentan eher schwach online präsentiert ist außerhalb von Zooplus sorgt für zusätzlichen Spielraum. Mittlerweile ist hier auch einfach eine Größe erreicht das selbst die Lokalen Größen wie Fressnapf vermutlich im nächsten Jahr im Gesamtumsatz überholt werden. Das ermöglicht dann wieder neue Wege die den Vorsprung vor neuen Playern in dem Segment zementieren sollen. Die Zooplus geschichte ist wirklich auch eine sehr schöne und insbesondere eine die nicht immer alle auf dem Schirm haben!

Media Saturn leidet einfach unheimlich unter dem stationären Handel und schafft es gerade so, dank klassischem Online Shop, die Umsätze nicht zu verlieren. Ob das auf lange Sicht ausreichen wird bleibt fraglich, guckt man sich die Konkurrenz durch Amazon, Cyberport, NBB, Alternate, AO und anderen an, fragt man sich schon, was dort langfristig entgegengestellt wird. Momentan versucht man es durch Service Dienstleistungen um so die verlustreichen Lokale zu einer Anlaufstelle für neue Dienstleistungen umzuwandeln. Dadurch wird das Problem der hohen Kosten und der schwachen Innenstädte wohl aber nicht gelöst.

OTTO ist immer noch in einer schwierigen Transformation und muss in den nächsten Jahren erst mal beweisen das diese auch wirklich funktioniert hat. Aus dem traditionellen Katalog einen Shop zu machen ist noch nicht die Leistung. Die Frage wird werden, wie kann sich ein OTTO im Markt positionieren? Momentan ist man noch im Vorteil durch die Bekanntheit. Doch auch das wird durch die jüngere Generation zunehmend weniger. Dazu kommt das OTTO selbst zwar nu8na uch ein zusätzlichen Marktplatz aufbaut aber noch lange nicht an einem Punkt ist bei dem man sagen könnte das etwas geschaffen worden wäre das nicht auch in anderen Shops und Firmen vorhanden wäre.

Wie könnte man nun eine Bewertung vornehmen?

Wir haben weiter oben Unternehmen gesehen die ganz unterschiedlich aufgestellt sind. Die Geschichte ist allerdings eine ähnliche, etablierte Unternehmen mit immer noch hohen Gewinnen stagnieren. Während andere Unternehmen mit Minus ein enormes Wachstum hinlegen. Wäre die Geschichte hier vorbei könnte man meinen das diese Unternehmen die keinen Gewinn machen am Ende nicht überleben. Doch es scheint anzeichen dafür zu geben das die etablierten, mit hunderten von Millionen Euro Ertrag dem Ende tatsächlich näher sind. Denn während die Online Pure Player und die neueren Konzepte nach Jahren der Verluste eine Größe erreichen in denen Sie profitabel werden. Kämpfen an der anderen Seite die etablierten um ihr Leben.

Ist das Unternehmen Zukunftsorientiert oder hat es noch viel mit Altlasten zu kämpfen ist wohl ein guter Indikator für eine Bewertung. Wer heute seine Kraft in die Aufarbeitung seiner Altlasten stecken muss und den anderen hinterher laufen muss, der hat nicht die Ressourcen den großen Sprung zu machen. Doch das ist es was nun eigentlich notwendig wäre, als Media-Saturn nach der Übernahme von Redcoon den Sprung in den Online Handel vollzogen haben waren sie anderen Shops deutlich hinterher. Die Erfahrungen die andere bereits seit Jahren machen, müssen nun teuer selbst gemacht werden. Dabei ist aber schon der Sprung in den Online Handel so ein ressourcenfressender Prozess, das kaum noch Zeit bleibt sich um neuartige Modelle zu kümmern. Am Ende ist der MSH Shop ein Shop, keine Features die einen Mehrwert liefern im Vergleich zur Konkurrenz. Man begibt sich also durch den Namen getrieben praktisch wieder in einen Preiskampf oder aber rechnet sich Umsätze schön indem man die Abholung im Laden als Online Umsatz verbucht. Natürlich hat man als etablierter möglicherweise noch das Geld um diesen Prozess durchzuhalten. Doch eine wie ich finde wichtige Komponente ist hier wieder das Personal. Wenige von dem alten Personal ist geeignet für eine vollumfängliche Online Strategie und die neuen Leute die man bräuchte, haben oftmals wenig Interesse aktiv an einer Transformation zu arbeiten. Das ist insbesondere dadurch geprägt das man bei einer Transformation stark politisch agieren muss und man nicht die Freiheiten und Möglichkeiten hat die man sich wünscht. Es muss einfach hier über Elemente gesprochen und diskutiert werden die eigentlich heute normal sein sollten. Das verärgert natürlich Mitarbeiter und verzögert den Prozess enorm.

Befindet man sich gerade selbst in einer komfortablen Situation, sollte die Frage gestellt werden wie es mit der Markt Konsolidierung aussieht. In der Regel werden wir es nicht erleben das es duzende von Online Händlern für jeden Bereich geben wird. Wenn sich einfach der Beste gezeigt hat, wird dieser die Kunden auch so lange unter sich vereinen bis die Situation entsteht, dass neue Konzepte und Verkaufstechniken einen Teil oder alle Kunden dazu bewegt zu wechseln. Der klassische Preiskampf zwischen 3 großen Online Händlern wird am Ende nur einen Gewinner kennen. Wer also das klassische Regalgeschäft gut umsetzen kann, wird am Ende den jeweiligen Markt dominieren. Die Aufteilung in Kategorien ist hierbei ein zusätzlicher Faktor, da auch ein Amazon es sich nicht leisten kann absolut alle Kategorien mit der gleichen Liebe zu bespielen. Jemand der sich spezialisiert kann dort im zweifel besseres, effektiveres Marketing betreiben und den Shop besser an die Kunden anpassen. Trotzdem werden wir es wohl eher nicht erleben das wir hunderte von Händler Shops haben in den nächsten 10 Jahren. Vorallem nicht in wirklich relevanten Umsatzregionen.

Es geht also um das Umfeld und wie man darin wahrgenommen wird. Das schützt ein Zalando nicht davor irgendwann noch mal von jemandem eingeholt werden zu können. Doch es macht es schwieriger für neue in der Branche. Dazu ist es sicherlich nicht nachteilig sich clever weitere Felder zu erschließen.

Eigentlich ist es ein Rennen und wenn man ehrlich ist nehmen die meisten kaum an diesem Rennen teil. Sie stehen in der 3. oder 4. Reihe und freuen sich immer wieder über moderates Wachstum wo andere große Sprünge machen. Trotzdem haben viele durch die Historie noch genug Geld und Ertrag das sie noch einige Jahre ums Überleben kämpfen können. Aber nicht erst seit Pleiten wie Quelle, Karstadt und co sollte jedem klar sein das es auch die etablierten treffen wird und der Wandel an niemandem einfach so vorbei geht. Neue Lösungen werden notwendig sein!

Und nun konkret?

Für mich sind die Unternehmen spannender und relevanter die aufzeigen wie ernsthaft sie sich der Digitalisierung und der Innovation verschrieben haben. Tanker ohne wirkliches Ziel mögen wegen ihrer Größe noch Spielraum haben, doch auf lange Sicht werden die auch zwischen die Mühlen geraten.

Es ist also wichtig ein Konzept erkennen zu können das auch in den nächsten Jahren noch eine Chance auf Erfolg hat und nicht nur ein kurzfristiges Überleben sichert.

Dazu gehört eine Bereitschaft für Risiko und damit einhergehend das ausprobieren von neuen Wegen. Sind solche Ansätze zu erkennen kann man den transformierenden Unternehmen noch eine Chance einräumen.

Bereits transformierte und auf Innovation und Flexibilität getrimmte Unternehmen müssen sich an den Skaleneffekten und an der operativen Durchführung messen lassen. Wer es schafft sein Geschäft aus Deutschland in andere Länder zu übertragen und Abläufe zu optimieren während man selbst Innovativ ist, ist sicherlich gut aufgestellt für die Zukunft und hat zumindest eine Chance sich neuen Gegebenheiten anzupassen.

Kommentar verfassen