Was uns das Dschungelcamp über Marketing beibringt

Jedes Jahr aufs, neue stellen sich 12 eher wenig Prominente Personen der Herausforderung des Dschungels. Ob es die 20-29 Grad Außentemperatur sind, oder die durch entsprechende Netze reduzierte Regenmenge oder gar die von Sicherheitskräften kontrollierten wilden Tiere, die die Kandidaten in den Dschungel treiben kann ich nicht sagen. In einer stark kontrollierten Umgebung werden also Leute scheinbar rund um die Uhr mit mehr oder weniger versteckten Kameras begleitet und Millionen gucken zu. Sei es um sich über die Dummheit der Kandidaten lustig zu machen, zu sehen wie bei den Prüfungen die Würde gegen Sterne und damit Essen getauscht wird, oder einfach nur den interessanten Gesprächen zugehört wird.

Warum sind wir im Dschungel?

Ja das Dschungelcamp ist Fake, es ist zu einem gewissen Grad inszeniert und oftmals plump bei dem Versuch das zu vertuschen. Doch dem vermeintlichen Zuschauer ist das egal, für ihn bildet das Konzept nur den Rahmen in dem die Handlung spielt. Das Dschungel Thema erklärt warum die Kandidaten nicht großartig Essen bekommen, warum dort diese Tiere sind und warum man draußen schläft. Es erlaubt den Produzenten und dem Umfeld das Thema zu nutzen um die Botschaften zu transportieren, die Grafiken für Online und Offline auszusuchen und ein stimmiges Gesamtbild zu erschaffen.

Die häufigste Begründung für diesen Drehort von Seiten des Produzenten sind die Bedingungen. Wie oben angerissen sind mit den sehr guten äußeren Bedingungen und der Infrastruktur alles gegeben um diesen Ausflug in den Dschungel zu einem entspannten Arbeitstag zu machen. So unterscheidet sich der Produktionsort nicht wesentlich von einem Studio. Dazu kommen die Vorteile der Zeitverschiebung die dafür sorgen das der stärkste Slot am Tag (20:15) weiterhin von anderen Programmen besetzt werden kann und man einen Magneten im Anschluss platzieren kann.

Was wir also lernen können: Lasst eure Kampagne in einem Umfeld laufen in dem ihr euch selber auch wohl fühlt, ein Umfeld wo ihr die Rahmenbedingungen gut selber entscheiden könnt, aber auch andere Personen kein Problem haben euch zu unterstützen oder Teil des ganzen zu werden. Außerdem ist es enorm hilfreich ein Thema zu haben, im weiteren laufe der Kampagne habt ihr so die Möglichkeit um dieses Thema herum Geschichten zu erzählen und eine visuelle Begleitung zu erstellen die glaubhaft ist und die eine direkte Verbindung aufzeigen kann.

Wer darf mitmachen?

Um die Kandidaten wird lange Zeit ein Geheimnis gemacht, es soll die Spannung hochgehalten werden und so vor der Show möglichst viel Buzz erzeugt werden. Dazu gehört auch das spekulieren und durch Gerüchte eine mediale Aufmerksamkeit zu erlangen. Irgendwann sind sie dann aber da, die Kandidaten, die für die nächste Zeit vermutlich im Camp hocken werden.

Alles Zufall? Sicherlich nicht … RTL wird ein enormes Interesse daran haben Kandidaten nach ihrem aktuellen Bekanntheitsstatus und einiger persönlicher Eigenschaften zu wählen. Dabei ist es sicherlich hilfreich mit der Show bereits gezeigt zu haben wie es möglich ist seine Bekanntheit und Image zu steigern. Bei der Besetzung zeigen sich immer wieder ähnliche Muster. Egal ob es um Sportler, vermeintliche Sex Bomben, Models oder „Schönling“, Sonderlinge oder Püppchen geht. Ziel ist es für die breite Bevölkerung Personen zu liefern mit denen man sich identifizieren kann UND gegen die man eine Abneigung entwickeln kann. Denn häufiger als Sympathie für gewisse Kandidaten entwickeln sich Abneigungen. Abneigungen sind daher so spannend, weil sie oftmals eine viel stärkere Emotionale Situation erzeugen und so die Interaktion in Form von Abstimmungen wahrscheinlicher wird. Auch die Begleitung dieser Personen und das hinein steigern ist ein dankbarer Hebel.

Es ist immer wieder ein kleines Pulverfass was RTL dort zusammenstellt, verständlich unter dem Gesichtspunkt das man ja nun dazu verpflichtet ist täglich neue Inhalte zu liefern und die Prüfungen alleine meist nicht der Treiber sind. Worüber meist alle sprechen sind die Ausraster und das gezicke im Camp. Dabei werden auch alle Register gezogen, ein typischer Ansatz ist es beispielsweise Zigaretten zu verbieten um so eine gereizte Grundstimmung entstehen zu lassen.

Was nehmen wir also mit: Auch wenn nicht jeder Teil geplant werden kann, ist es dennoch möglich ein Umfeld zu schaffen in dem, gewisse Ereignisse wahrscheinlicher sind. Leute mit einem Temperament oder einer Abneigung gegen gewisse Eigenschaften oder Verhaltensmuster können so gezielt dazu verwendet werden Inhalte zu erzeugen. Obwohl viele das nun nicht hören möchten, aber solche Sendungen sind auch ein Spiegel unserer Gesellschaft und aus Marketing Aspekten so zu betrachten das man sich ganz offensichtlich darauf eingestellt hat etwas zu liefern was die Zuschauer wollen.

Hört also auf eure Kunden und Besucher und wenn es Bereiche gibt die ihr nicht vollkommen kontrollieren wollt oder könnt, versucht euch in die Situation zu versetzen was passieren kann und nutzt dies um Konstellationen zu schaffen in denen etwas ensteht was ihr wollt. Nichts ist in so einer Konstellation schlimmer als festzustellen das man keinen Einfluss nehmen kann und zusehen muss wie das Projekt oder die Kampagne sich langsam verabschiedet.

Manchmal ist es einfach unabdingbar sich mit allen Eventualitäten zu beschäftigen um konkret auf Situationen reagieren zu können und klar, über die Zeit sollte natürlich auch gelernt werden was funktioniert und was eher nicht!

Die Moderation

Es gibt eine besondere Tonalität in der Show, Moderatoren haben zwar direkten Kontakt mit den Kandidaten, sind aber auf der Seite des Publikums. Die Inszenierung das man gemeinsam auf die Insassen im Camp schaut, nimmt dem Zuschauer ein wenig die Hürde als Spanner wahrgenommen zu werden. Obwohl auch das seit Sendungen wie Big Brother kaum noch eine Rolle spielt. Ein weiterer Punkt ist sicherlich auch das damit die Hürde genommen wird sich über die Kandidaten zu belustigen.

Durch diese Art der Moderation kann aber auch recht einfach eine Geschichte weiter getragen werden. Eindrücke aus dem Camp und Sätze von den Kandidaten können so in einem neuen Licht noch mal wiedergegeben werden und so ein Fokus gesetzt werden. Das hat oftmals zur Folge das sich in dieser Beziehung ein Wir gegen Die einstellt. Eine Situation in der man zusammen mit den Moderatoren über die Kandidaten lacht, insbesondere über dumme Sprüche und Verhalten stärkt auch die Beziehung mit den Moderatoren und schlussendlich mit der Sendung.

Unser learning: Die Show lebt von den Kandidaten, daher ist neben der Auswahl auch die Interaktion mit diesen enorm wichtig. Daher sollte es auch bei euren Kampagnen eine Priorität haben sich darüber im Klaren zu sein wie eine Interaktion auszusehen hat. In vielen Fällen sind wir selbst die Moderatoren, sei es dadurch das wir Ergebnisse verteilen, Zusammenfassungen liefern oder aber den Kunden über unsere Kampagne informieren. Dabei ist es wichtig zu verstehen wie wir kommunizieren. Oftmals ist gerade Neutralität etwas Negatives, es sollte aufgezeigt werden auf welcher Seite man steht um eine tiefere Bindung mit den Besuchern einzugehen. Gemeinsam mit dem Besucher zusammen über eine dritte Partei zu reden hilft diese Bindung zu stärken und oftmals auch um eine Diskussion und Interaktion entstehen zu lassen. In einer Welt bei der wir alle täglich mit einer Vielzahl von Informationen bombardiert werden, suchen wir uns Filter die uns die Welt in einer Art zeigen die uns gefällt und unseren Interessen nahe steht. Wenn man selber nur ein weiterer Gesichtsloser Bestandteil ist, kann man nicht erwarten das eine Bindung entsteht.

Wenn die Zuschauer entscheiden

Neben dem Interesse Geld zu verdienen, durch die Gebühren pro Anruf, hat die Mitbestimmung der Zuschauer einige weitere unmittelbare Vorteile. Es verleiht dem Zuschauer eine Stimme und damit eine Interaktion. Vermittelt also das Gefühl das man Einfluss auf das gezeigte nehmen kann. Dazu kommt die natürliche Filterung der Kandidaten die dafür sorgen soll, dass die Zuschauer am Ende idealerweise persönlich investiert sind und am Ende die interessanten Kandidaten über bleiben. Was ultimativ die Spannung steigen lässt und so eine entsprechende Zuschauerzahl zustande kommt.

Interaktion ist es das große Thema der letzten Jahre ob über Social Media oder andere Kanäle. Dabei haben diese Votings auch einen Effekt der sich unmittelbar zeigt, es ensteht eine Diskussion. Leute freuen sich, dass gewisse Personen endlich das Camp verlassen, andere bedauern es..

Dazu kommt in diesem Voting Prozess natürlich auch die Präsentation der Kandidaten, es wird häufig von dem feinen Gespür der Zuschauer gesprochen und wie diese Einfluss nehmen auf das Geschehen. Trotzdem gibt es immer wieder Fragezeichen hinter gewissen Entscheidungen und die Theorie der Einflussnahme seitens der Produktionsfirma. Die Kandidaten haben in diesem gesamten Kontext eigentlich nur eine einzige Aufgabe, sie sollen den Zuschauer unterhalten. Ob dies durch ständige Intrigen, markante Sprüche, das entblößen  oder besonderes leiden bei den Prüfungen erreicht wird ist eigentlich egal. Einige Aspekte halten dabei länger als andere, wer zu eindimensional ist, wird bestraft. Jeden Tag die gleichen Geschichten und die gleichen Verhaltensmuster langweilen und sorgen für einen Filter Prozess. Interessante Geschichten hingegen oder eine besondere Personalität kann punkten. Am Ende vermarktet sich jeder Kandidat hier selbst, nicht nur für seine Zukunft sondern auch für den Sieg in der Show. Obwohl der Sieg vielleicht nicht das wichtigste Ziel ist, sollte doch jedem klar sein das jeder Tag den man länger im Camp verbringt, die Sichtbarkeit steigt und damit die Möglichkeit verbessert aus der Show zu kommen.

Was sagt uns das? Kunden / Besucher / Zuschauer bestimmen heute mehr als früher über das was sie konsumieren. Daher ist es wichtig sich auf die Bedürfnisse der Kunden einzustellen und auf die Reaktionen und Interaktionen zu reagieren. Es ist nicht immer so klar warum Leute Entscheidungen treffen, daher ist es wichtig sich die Zeit zu nehmen und eine Interpretation zu finden mit der man sicher ist eine Verbesserung zu erreichen.

Wir müssen aber auch etwas liefern über das man wirklich entscheiden kann, stellt man sich ein Dschungelcamp mit 12 praktisch gleichen Menschen vor, ist die Wahl der Kandidaten für den Zuschauer deutlich schwerer und polarisiert nicht wirklich. Was sich dann nicht nur in den Interaktionen sondern insbesondere in den Zuschauerzahlen wiederspiegeln wird. Es ist also notwendig authentisch aufzutreten und darauf zu verzichten das Fähnlein im Wind zu sein.

Fazit

Ja es gibt noch mehr Aspekte die man betrachten kann, aber wichtig ist eigentlich etwas anderes. Die Ableitung von generischen Mechanismen aus etablierten Formaten kann uns einen Weg zeigen wieso bestimmte Sachen funktionieren. Wir sollten nun nicht hingehen und den Fehler machen diese 1:1 zu kopieren. Aber beim betrachten solcher Shows sollte jedem klar sein was Interaktion beim Zuschauer bewirken kann, wie die Wahl der Kandidaten, das Umfeld und die Regeln zu etwas führen das vorhersehbar ist. Wir können zusehen wie Kandidaten eine Rolle spielen und damit entweder total auf die Nase fallen, weil sie nicht glaubhaft vermittelt werden konnte. Oder man eine persönliche Bindung eingeht mit den Kandidaten und so ein persönliches Invest.

Haltet also einfach die Augen offen und versucht das Grundgerüst zu erkennen das vielen Kampagnen und Events als Basis dienen für ihren Erfolg. Ihr werdet überrascht sein wie häufig die immer gleichen Muster sich zeigen … Die Ausprägungen ändern sich häufig im laufe der Zeit. Das Grundgerüst hingegen bleibt häufig bestehen und ändert sich wenn, nur langsam.

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