Selbstüberschätzung

Bewerbungsgespräche sind immer ein guter Indikator, ist man selbst eher zurückhaltend mit seinen Fähigkeiten ohne sich selbst unter Wert zu verkaufen zeigt man auch gleichzeitig das man versteht das es auch andere in dem Bereich gibt die besser sein könnten.

Vor einiger Zeit habe ich bereits über die notwendige Tiefe geschrieben, dabei ging es mir vor allem um die Sicht darauf das erst ab einem gewissen Stand man wirklich verstehen kann was in einem Bereich möglich ist. Nun möchte ich praktisch diesen Bereich erweitern um einen anderen Blickwinkel:

„Wer denkt alles zu wissen und aufhört zu lernen, wird unweigerlich von anderen überholt und verliert stetig an Bedeutung“.

Nicht wenige glauben das die wichtigste Qualifikation im 21 Jahrhundert das Lernen ist. Nicht das Lernen was man aus der Schulzeit oder von der Uni kennt, sondern das Lernen das dafür sorgt das man versteht das sein Beruf sich wandelt. Das neue Bereiche hinzu kommen, dass sich Randbedingungen ändern und Methoden verändern. Gerne bemühe ich die Vergleiche zu „früher“ ohne vielleicht selbst in dieser Zeit gelebt oder gearbeitet zu haben. Doch auch in meiner noch recht kurzen Arbeitszeit sind Entwicklungen und Bewegungen entstanden die erahnen lassen wie viele Leute und Bereiche der Digitale Wandel verändert hat. Wir haben viele Probleme mit der neuen Art der Welt und ihren Möglichkeiten umzugehen, durch die Menge an Informationen ist es wichtiger geworden diese zu Filtern. Aber auch durch die Verfügbarkeit von noch so kleinen Informationen ist man in einem ständigen Wettbewerb mit der ganzen Welt in seinem jeweiligen Bereich.

Der Wandel

Hat jemand eine neue Art entdeckt oder einen kreativen Weg gefunden eine Tätigkeit auszuführen das dass Ergebnis positiv beeinflusst. Kann man sicherlich noch eine Zeit lang mit der alten Variante leben. Doch irgendwann wird sich diese überleben und entweder man passt sich den neuen Randbedingungen an oder man wird mit großer Wahrscheinlichkeit irrelevant.

Ich glaube das es entscheidend für uns ist wie wir mit dieser Herausforderung umgehen. Leute die viel Zeit in die Fortbildung des eigenen Wissens und damit der wichtigsten Arbeitsressource dieses Jahrhunderts investieren werden davon profitieren. Sie werden bessere Jobs haben, es werden sich Aufstiegschancen ergeben oder der Arbeitsplatz wird sicherer für diese Leute. Die Vorstellung einen Job zu erlernen und sich nur spärlich mit Veränderungen zu beschäftigen in Form eines kleinen Vortrags alle X Jahre ist vollkommen überholt. Diese Bereitschaft zu lernen wird in Unternehmen schon jetzt ab einer gewissen Höhe auf der Karriereleiter erwartet. Erfüllt man diese Aufgabe nicht verbauen sich dadurch sehr schnell Möglichkeiten nach oben und die Chance von Mitarbeitern überholt zu werden steigt enorm. Nicht jeder hat lust sich auf diesen Kampf einzulassen, doch in meiner Vorstellung spielt im Leben die Arbeit eine zentrale Rolle. Daher darf man sich gerne Zeit nehmen zum ausprobieren und entdecken der Bereiche und Felder die man mag. Um dann diesen Prozess nicht als Strafe oder notwendiges Übel zu verstehen sondern viel mehr als etwas interessantes das einen Teil des eigenen Lebens weiter aufwertet. Mir ist klar das nicht jeder so ist, auch ist mir klar das nicht jeder Berufszweig diese Möglichkeiten bietet. Doch wir werden unweigerlich in eine Welt laufen in der genau dies die Regel sein wird. Leute werden immer öfter Jobs genau aus dem Grund machen: Weil sie es lieben und weil es sie begeistert. Und der momentan noch häufig aufgeführte Grund um seinen Lebensunterhalt zu verdienen wird immer weniger eine Rolle spielen. Dafür gibt es zu viele Trends, angefangen von der zunehmenden Einführung von Robotern und Maschinen die einfache Arbeiten immer weiter ersetzen werden. Und auch komplizierte Aufgaben werden nicht für immer Maschinen vorenthalten bleiben.

Zurück zum eigentlichen Thema

Nach dieser kleinen Ausschweifung wollen wir noch mal zurück auf den ursprünglichen Punkt kommen. Die Selbstüberschätzung, leider viel zu oft werden vermeintliche Wahrheiten in Meetings kundgetan und auf Grundlage dieser Entscheidungen mit weitreichender Konsequenz getroffen. Nun gibt es viele Gründe warum so etwas passieren kann, mangelnde oder Falsche Daten, sich verändernde Umstände, fehlendes Wissen oder einfach nur eine Lüge um seinen Standpunkt zu untermauern. Ein wie ich finde oftmals unterschätzter Bereich ist einfach eine Selbstüberschätzung, dabei hat man die vermeintliche Antwort direkt im Kopf. Man meint zu wissen warum etwas so oder so ist, aber wenn man objektiv von außen auf den Sachverhalt guckt. Sollte man eigentlich feststellen das man oftmals für diese absolute Zuversicht nicht die Informationen und das Wissen hat.

Aus dieser Beobachtung und Feststellung heraus habe ich für mich entdeckt das es notwendig ist sich ständig Fortzubilden. Abhängig von der jeweiligen Tätigkeit kann das in einem sehr speziellen Umfeld sein. Je weiter das Aufgabenfeld desto umfangreicher auch die notwendige Zeit die in Fortbildung gesteckt werden muss. Wer nicht eigenständig sich neue Impulse und Ansichten aus externen Quellen holt, wird über kurz oder lang zu einem Verwalter des Status Quo, was in der heutigen Zeit die Verwaltung einer sterbenden Firma ist. Als Chef hat man die Verpflichtung jedes Jahr ein Buch über Management, Brand Identity und co zu lesen. Das ist man eigentlich sich und seinem Unternehmen schuldig. Nur so kann man aus der Welt ausbrechen die sich sonst innerhalb einer Firma bildet. Auch Menschen sind manipulierbar und berechenbar, kriegt man immer wieder für bestimmte Arten von Vorschlägen ein Nein zu hören, wird man aufhören diese zu liefern. Doch was gestern falsch war kann morgen richtig sein und umgekehrt. Den vollen Einsatz den man heute von seinen Mittarbeitern erwartet in einem Bereich, kann unterm Strich vollkommen verschwendet sein. Doch das zu erkennen können nur solche die sich auch mit der Veränderung beschäftigen. Entweder als Vorgesetzter in einer Management Funktion der dort neue Prioritäten und Gewichtungen liefern kann. Oder als Mitarbeiter selbst der Selbstkritisch seine Arbeit hinterfragt.

Früher haben die Leute 20 Jahre und länger in einem Unternehmen gearbeitet. Heute ist ein Wechsel nach drei Jahren durchaus der Normalfall. Eines der Hauptgründe dafür ist sicherlich das man seine Ideen und Vorstellungen in der Firma verbraucht hat und eine Entwicklung und drastische Änderung kaum noch vorstellbar ist. Die Überlegung das jemand 20 Jahre lang in einer Firma gearbeitet hat ist heute eher abschreckend für einen potenziellen Arbeitgeber. Weil man davon ausgehen darf das er zwar die Abläufe in einer Firma sehr gut kennt. Aber oftmals versuchen diese Personen mangels eigener Weiterbildung einfach den Weg der alten Firma auf die neue zu übertragen. Was leider in den aller wenigsten Firmen sinnvoll ist …

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