Marken in der neuen Welt

„Google doch mal“, „Hast du mal ein Tempo für mich?“, „Hol mal ein Zewa“ … es gibt eine Vielzahl von Beispielen für Marken die eine solche Präsenz haben das sie sich als Synonym  durchgesetzt haben und so sogar bekannter sind als die generischen Begriffe. Diese Art von Sichtbarkeit einer Marke war für lange Zeit der Heilige Gral der Marketing Departments. Wer sich so etabliert hat ist offensichtlich in einer Situation wo vieles richtig lief.

Doch die Zeiten ändern sich! Auch heute ist es sicherlich nicht schlecht eine solche Präsenz im Markt zu haben. Doch durch das neue Umfeld und Möglichkeiten kann man sich auch mit deutlich weniger wirklich sehr gut positionieren im Markt. Gehen wir mal einen Schritt zurück und gucken uns die Situation im stationären Handel pre eCommerce an.

Die Situation Pre eCommerce

 

Marken/Hersteller kämpfen um den limitierten Platz in den Regalen. Niemand will 20 mal das gleiche Produkt von unterschiedlichen Herstellern haben. Dadurch war man in der Situation das also die Hersteller sich diesen Regalplatz einkaufen mussten durch WKZ oder sich so im Markt präsentieren das der Kunde verwundert wäre wenn sein Produkt dort nicht zu finden ist. Dazu kommen die Anforderungen an die Logistik der Hersteller der sein Produkt erst mal zum Kunden bekommen muss und so die üblichen Probleme hat: Es müssen wirklich die Produkte physisch in die Läden gestellt werden auch wenn oftmals eine kleine Menge reicht. Dadurch braucht man bereits eine große Menge um einfach Präsenz in den Länden zu haben. Die Themen der die dann noch kommen ist Nachlieferung, was macht man mit der Ware die sich nicht verkauft und und und.

Worauf ich hinaus will: Das einführen von Produkten war mit vielen Problemen und Hürden verbunden. Es war insbesondere schwer mit einer Idee einfach mal etwas auszuprobieren ohne eine entsprechende Grundlage!

Was hat sich geändert?

Durch den eCommerce und den Online Handel insbesondere haben sich viele dieser Hürden und Probleme in Luft aufgelöst. Das zeigen der Produkte im Online Shop kostet häufig kein Geld. Es muss dafür auch häufig nicht die Ware vorher versendet werden und wenn dann zu einer  zentralen Stelle womit dann gleich ganz Deutschland und mehr beliefert werden kann. Damit ist man viel schneller zumindest in der Phase wo das Produkt, sofern man es nicht selber verkaufen möchte, sichtbar und einfach kaufbar ist.

Sichtbarkeiten in den Online Shops werden nicht mehr durch WKZ bestimmt, die meisten Online Shops sortieren ihr Sortiment direkt nach einer Art Beliebtheit, außerdem sind dank Bewertungen und damit Kundenfeedback die Produkte attraktiver für potenzielle Neukunden.

Die neue Art Produkte zu etablieren

Angenommen wir haben ein neues Produkt von dem wir überzeugt sind und dessen Qualität auf einem Level ist das wenn ein Kunde für so etwas sucht und es in den Händen hält er nicht davon enttäuscht ist. Das Beispiel funktioniert mit jeder Menge Artikel / Produktgruppen: Ladegeräte, Kabel, Bücher, Büro Artikel, Technische Produkte …

Wenn wir nun in der „neuen Welt“ dieses Produkt verkaufen wollen könnten wir den alten, teuren, langwierigen Weg wählen. Und eine Marke etablieren, also investieren wir in Marketing. Überlegen uns kreative Marketing Kanäle bei denen wir relativ günstig viel Reichweite für potenzielle Käufer bekommen und und und. Doch dieser Weg ist vor allem eins: Teuer und Langwierig. Es ist auch nicht gesagt das diese Art unbedingt zum Erfolg führt. Wer das an Kapital ausgegeben hat was er  zur Verfügung hatte und immer noch keinen Fortschritt gemacht hat ist einfach in einer Situation wo es auf dem Kanal nicht wirklich weiter voran geht. Dabei muss das Ziel sein das eine Nachfrage nach DEINEM Produkt entsteht.

Der neue Weg ist da deutlich attraktiver, wir etablieren das Produkt auf einer Plattform wie Amazon. Anstatt nun hinzugehen und darauf zu setzen das der Kunde nach unserem Produkt sucht, leben wir davon das es in der Regel schon Produkte in unserer Kategorie gibt.  Wir setzen also darauf das der Kunde nicht mehr nach „Tempo“ auf Amazon sucht, sondern nach Taschentücher. Und dieser Fall ist deutlich häufiger als man das vielleicht vermutet würde. Die Kunden suchen weniger nach Marken in den letzten Jahren einfach durch die Art wie Plattformen wie Amazon und Co funktionieren. Wer in einer Kategorie / Produktgruppe das Beste Produkt auf Amazon haben will sucht nach der Kategorie und den generischen Produkt. Dank der umfangreichen Produktbewertungen und der Sortierung von Amazon ist garantiert das man sehr beliebte Produkte direkt oben sieht.

Diese Veränderung hilft neuen Produkten enorm, durch diesen Wechsel der Mentalität bei der Suche nach einem Produkt im Internet können nun vermeintliche No Names direkt neben vermeintlich etablierten Marken stehen. Beispiele gefällig? Eneloop, nicht vielen als Name so bekannt bietet dieser Hersteller sehr gute Akkus für unsere Elektrogeräte an. Und das direkt neben einem Hersteller wie VARTA der für lange Zeit den Markt dort dominiert hat. Weiters Beispiel: ANKER, mittlerweile der stärkste Anbieter von Ladegeräten ist auch exklusiv durch Amazon und Co groß geworden und brauchte dafür nicht die Power von traditionellem Marketing. AmazonBasic gehört auch in diesen Bereich, auch wenn Leute wahrscheinlich Amazon unterstellen werden das die dort Rankings und Co manipulieren. Wer eine Liste mit solchen Fällen haben will ist eingeladen zu Amazon zu gehen und dort mal die Top 100 Verkäufe von unterschiedlichen Kategorien zu betrachten und sich zu fragen welche Marken man selber kennt. Selbstverständlich findet man dort auch weiterhin Marken die man kennt, aber man wird überrascht sein wie viele Hersteller einem nichts sagen.

Und das ist die Power und die Möglichkeit von Amazon und anderen Marktplätzen, es ist ein Gleichmacher. Man ist auf ein mal nicht mehr in der Situation das Hürden einem den Einstieg in ein Segment verhindert. Sondern das Produkt selbst spricht für sich!

Die neue Anforderung

Durch die neuen Gleichmacher sind natürlich nun andere Elemente wichtig für den Erfolg. Wie Eingangs geschrieben müssen wir ein solides Produkt haben, wo Marketing häufig über gewisse Fehler hinweg schauen ließ ist das insbesondere bei dieser Herangehensweise nicht möglich. Wir brauchen ein Produkt womit der Kunde zufrieden ist und seinen Zweck erfüllt. Dazu müssen wir eine entsprechende Verfügbarkeit und einen sehr guten Support liefern. Das Thema Logistik wird dabei in der Regel vom Marktplatz übernommen und ist daher weniger Kritisch für einen selbst. Aber natürlich gibt es auch Hebel die verwendet werden können und auch müssen. Alleine das Listen ist natürlich nicht ausreichend, aber durch Werbemöglichkeiten der Plattformen und die Möglichkeiten die man auch außerhalb hat dank Social Media und Co sorgt für Kostengünstige Varianten.

Ein weiterer Hebel entsteht automatisch durch die Verkäufe selbst. Kriegt man mal einen Dreh rein und die ersten Produkt Verkäufe starten, startet auch zeitgleich eine Entwicklung. Denn durch die Verkäufe bekommt man immer weiter im Ranking nach vorne was mehr Leute mit dem Produkt in Kontakt bringt. Außerdem starten auch die Bewertungen ein positives Bild zu formen das dem Produkt eine Glaubwürdigkeit vermittelt. Erinnern wir uns kurz zurück an das Ladengeschäft, hier ist ein No Name Produkt was keiner kennt neben einer bekannten Marke nur schwer zu verkaufen wenn es nicht gerade deutlich günstiger ist. Es fehlt einfach an Informationen ob das Produkt hält was es verspricht und das gewünschte Problem auch gut löst. Dank Bewertungen im Internet lassen sich solche Probleme lösen, auch die immer stärker verwendete Fragen und Antworten Sektionen in den Shops sind da ein Indiz für.

Die Nachteile

Natürlich gibt es nicht nur Gewinner dieser neuen Entwicklungen. Gerade etablierte Brands und solche die Unsummen in Marketing und Brandbuilding gesteckt haben sehen sich nun einer Konkurrenz ausgesetzt die diese Kosten nicht hat. Das Produkt rückt immer weiter in den Vordergrund, was zwar super für den Verbraucher, aber schlecht für die Hersteller ist. Fehler werden viel schneller sichtbar, ein Hinweis auf Chemische Gerüche bei Handyhüllen und Co haben auf einmal direkte Auswirkungen. Weil die Informationen direkt jedem am Produkt ersichtlich sind und nicht wie bei einer Hülle die man im Laden kauft wo man praktisch keine Informationen hat. Dadurch sind negative Bewertungen auch viel viel schlimmer zu sehen als es „früher“ der Fall war. Wer gebrauchte Ware als Neuware verkauft und dadurch den Unmut des Käufers auf sich zieht wird an der Negativen Bewertung die für alle sichtbar sind viel stärker zu knabbern haben!

Verlierer sind auch die, die es in der Vergangenheit geschafft haben das direkt nach ihrem Produkt gesucht wird. Wer nach Zewa sucht wird vermeintlich nicht erkennen was links und rechts noch ist. Bei dem breiteren Einstieg gibt es auf einmal diese breite Konkurrenz. Gerade wegen dieser Entwicklung entstehen im übrigen nun auch so Produkte wie das Amazon Dash. Das wieder zurück geht und ausgewählten Produkten erlaubt ein Synonym zu sein. Wenn im Badezimmer der Button hängt für die Rasierklingen und dort Wilkinson drauf steht dann guckt man nicht das dank Dollar Shave Club die Preise für solche Produkte auch deutlich niedriger ausfallen ohne an Qualität zu sparen.

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