Bitte Twitch, komm zurück!

Es ist ein normaler Tag in der Woche, man hat ein bißchen Zeit und sucht nach einer entsprechenden Unterhaltung um damit der Arbeit am Abend ein entspanntes Umfeld zu geben. Hat man gerade nichts was einen auf Netflix interessiert, fällt mein Blick insbesondere auf eSports.

Dann die Verwunderung, es läuft die ESL Pro League in Counter-Strike, aber nicht auf Twitch. Irgendwie scheint dies an mir vorbeigegangen zu sein, vielleicht insbesondere weil es nicht auf Twitch lief? Auf ein mal funktionieren die Mechanismen nicht mehr.

Man guckt bei Readmore.de nach den Streams und stellt fest das dort kein Stream eine relevante Anzahl an Zuschauern hat. Der ESL Pro League Kanal liefert Re Runs von alten Zeiten, scheinbar nichts interessantes heute Abend. Auf der Twitch Startseite wieder einige Lets Player und andere Spiele für die ich mich wenig begeistern konnte.

Doch dann die Verwunderung, warum spielt denn NIP heute Abend und es wird nicht übertragen? Natürlich wird es übertragen! Doch eben nicht auf Twitch. Jetzt läuft also die größte CS:GO Liga, was Zuschauer angeht, nicht mehr auf Twitch. Nun müssen wir uns also mit einem anderen Anbieter beschäftigen.

Nachdem eher kleinere Events, der B-Stream oder ansonsten eine Kopie bei YouTube lief, gibt es nun die Exklusivität. Vermeintlich ein Bereich der besonders gut von Twitch besetzt war. Wurde nicht zuletzt ehemalige eSports Größen beschäftigt um die Exklusivität und die Partner zu binden.

Der überraschende Wandel

Gerade die ESL als Ausrichter der Liga war ein enger Verbündeter und Nutznießer von Twitch. Die Verbindung sorgte für Branding bei der gamescom inklusive einer VIP Area für selbige. Aber auch sonst war Twitch omnipräsent auf Events der ESL. Ist dies nun vorbei?

Zumindest ist es ein herber Schlag für Twitch, nach dem mehr oder weniger starken Monopol in der Übertragung von Computer Spielen konnten einige Versuche abgewendet werden von neuen Playern im Markt verdrängt zu werden.

Nicht nur durch die Übernahme von Amazon sollte auch das notwendige Geld und die Ressourcen vorhanden sein, doch durch die Übernahme hat man sich auch zunehmend der breiteren Masse geöffnet. Was zu neuen Formaten und einem zusätzlichen weiteren Publikum gesorgt hat.

Die Macht vom Content

Am Ende werden die Leute den Inhalten folgen, schafft man es also nun aus Google/YouTube Sicht weitere attraktive Inhalte aus dem eSport auf die eigene Plattform zu ziehen, werden die Besucher zwangsläufig folgen. Die Hürde ist ja nicht besonders hoch die Webseite zu wechseln.

Verstanden hat das eigentlich Twitch schon ziemlich frühzeitig, wie oben schon angesprochen hat man sich stark um die Partner gekümmert und diese durch Verträge auch gebunden. Wie genau ein Partnervertrag aussieht kann ich leider nicht sagen, aber offenbar hat man die ESL und andere nicht langfristig genug gebunden. Oder es zumindest nicht geschafft die Verträge zu verlängern und somit die Relevanz beizubehalten.

Vielleicht ist die Situation auch einfach das nach der Einführung von YouTube Gaming es schon früh Gespräche mit den relevanten Content Providern gegeben hat und man jetzt erst die Möglichkeit hatte zum Wechsel.

Wie Twitch es nicht geschafft hat sich unverzichtbar zu machen

Aus dem Monopol hat Twitch leider viel zu wenig gemacht, die Infrastruktur trotz der Unterstützung von Amazon hat nicht dazu geführt das die Qualität der Übertragung signifikant verbessert wurde. Regelmäßig haben immer noch Leute mit Abbrüchen, schwankender Bildqualität und anderen Effekten zu kämpfen.

Dazu ist trotz der frühzeitigen Spezialisierung auf Gaming, erschreckend wenig für die Zielgruppe erstellt worden. Was hat man denn wirklich an zusätzlichen besonderen Funktionalitäten geschaffen?

Dabei wäre ja durchaus die Gelegenheit gegeben gewesen, was ist beispielsweise mit der Anzeige von In-Game Score Informationen in einem entsprechenden HUD? Unterstützung für eigene POVs falls man nicht dem Streamer folgen will? Wie wäre es gewesen Übersichten wie Karten außerhalb vom Stream oder auf einem 2. Screen zu präsentieren?

Es hätte sicherlich eine Menge von Funktionen geben können um durch Funktionalität ein Alleinstellungsmerkmal entstehen zu lassen, was für eine stärkere Bindung sorgt. Nun hat man sich in eine Situation begeben wo man immer noch über die Qualität des Streams reden muss und da hat sicherlich ein Player wie YouTube auch einiges an Expertise.

So ist man nun in der Situation wenn man die Plattformen vergleicht das einem selbst als Zuschauer egal sein kann wo man guckt. Hat YouTube den Vorteil das die Inhalte direkt auch als Video zur Verfügung stehen während des Streams und man so jederzeit anhalten kann.

Bietet Twitch noch ein wenig mehr was den Bereich der Verknüpfung mit Spielen angeht, beispielsweise das direkte Streamen aus Spielen heraus oder Perks durch das zugucken.

Insgesamt unterscheiden sich die beiden Plattformen leider nun zu wenig, was schade ist da man sich ja gerade als Twitch dem Gaming Umfeld verschrieben gefühlt hat, während ein YouTube noch immer den Großteil seiner Inhalte mit Katzen erstellt.

Warum ich lieber Twitch im eSport sehen will

Der Kampf zwischen Amazon und Google ist sicherlich ein Kampf zwischen zwei extrem starken Parteien und auch Monopolen. Beide haben in anderen Bereichen besondere Stärken, doch was ich mir gewünscht hätte, wäre insbesondere durch die immer stärker werdende Attraktivität von eSports, eine andere Plattform für Werbung als Google und Facebook.

Nun sind wir wieder in einer Situation das vielleicht auf lange Sicht Google die Werbung wieder auf sich konzentriert. Durch die bereits gute Infrastruktur AdWords ist hier die Buchung von Werbung natürlich schon deutlich weiter als es der Fall bei Twitch ist.

Doch gerade die noch nicht perfekte Werbeplattform war es die Twitch auch attraktiv gemacht hat, durch mehr Zeit und Einsatz  konnte man es so schaffen das ein Invest sich noch rechtfertigt. Preise waren noch nicht astronomisch und die Zugänglichkeit zu der Plattform war nicht so, dass jeder einfach Werbung schalten konnte.

Im Google AdWords Umfeld ist man da schon deutlich weiter, durch die jahrelange Erfahrung ist der Zugang zur Werbeplattform für jeden zu bekommen. Das System ist entsprechend ausgereift, Targeting und sonstige Funktionen auf einem guten Stand. Das macht es für viele einfacher zum Start, treibt so aber auch den Preis insgesamt in die Höhe.

Für Twitch wäre es einfach die Chance gewesen von einem Spezialisten in dem Bereich, sich so zu etablieren das passend zu der Zielgruppe, eine Plattform entsteht, die nicht nur für den eSports gemacht wurde sondern diesen auch fördert.

Was mir einfach jetzt schon negativ auffällt, während die Werbung bei Twitch noch sehr generisch war, aber zum Thema Gaming gepasst hat. Muss ich mich nun auf YouTube ernsthaft mit Werbung ärgern lassen die ich insbesondere auf der Arbeit auch bekomme. Eben normale retargeting Werbung losgelöst vom Kontext in dem es gespielt wird.

Ich möchte einfach nicht in meiner Freizeit mit Werbung für meine Arbeit konfrontiert werden, dann doch lieber für neue Spielzeuge / Peripherie oder Spiele grundsätzlich. Das mag aber vielleicht auch einfach noch davon getrieben sein das durch die recht geringe Reichweite bei YouTube Live noch nicht alle Player auf den Zug aufgesprungen sind!

Der Ausblick

 

Ob der Kampf nun schon zu Ende ist und Twitch verloren hat mag ich nicht sagen. Natürlich gibt es immer noch jede Menge Leute die regelmäßig Ihre Inhalte auf Twitch zeigen. Was mich aber wirklich verwundert, in der Regel werden solche Verschiebungen durch Innovationen getrieben und nicht so sehr durch mehr Geld.

Ich hoffe das es sich dahin entwickeln wird, das dass Abwandern einiger Content Provider Twitch aufwecken wird. Und man sich dann dazu entschließt mehr zu investieren um diese wieder zurück zu holen. Nicht unbedingt in mehr Geld für die Producer, aber in Funktionen und Innovation.

Das würde glaube ich allen Seiten sehr gut tun!

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