Ein Customer Centric Marketingplan

Das neue Jahr ist bereits seit einer ganzen Weile im Gange, doch durch die übliche Verschiebung von Geschäftsjahr und dem Kalenderjahr im eCommerce , wird es gerade jetzt wieder spannend bezüglich dem neuen Budget.

Trotz der langen Tradition solcher Pläne und der Tatsache das diese ja jedes Jahr benötigt werden, sehe ich noch heute katastrophale Fehler bei der Erstellung von Marketing Budgets. Es wird immer noch nicht der schnellen Veränderungen im Marketing Rechnung getragen. Zwar gibt es immer diesen Puffer Posten der für variable Projekte genutzt werden kann. Aber gemessen am Gesamtbudget spielt dieser eigentlich keine Rolle.

Wer Anfang des Jahres festlegt wie das Geld über das gesamte Jahr verteilt wird der sorgt schon sehr früh im Jahr dafür das man sich Chancen und Möglichkeiten beraubt. Natürlich kommen dann immer die Stimmen das diese Pläne ja nicht in Stein gemeißelt sind und eine Veränderung ja nicht ausgeschlossen ist während des Jahres.

Doch die Realität ist dann eine andere, wer beim erstellen des Plans am Anfang des Jahres nicht bereits für die Flexibilität sorgt, dem wird es auch nicht gelingen bei der Umsetzung entsprechend flexibel zu sein. Das Denkmuster was notwendig ist um später zu erkennen welche Alternativen eigentlich besser zum erfüllen von Zielen geeignet sind, würden unter normalen Umständen auch dafür sorgen das bereits beim aufstellen des Plans darauf Rücksicht genommen wird.

Der typische Marketingplan

Aufgeteilt wird in Bereiche wie Performance Marketing, Affiliate, Social Media, vielleicht noch Events und einige andere. Dann werden innerhalb dieser Bereiche das Budget vom letzten Jahr wieder verteilt. Über signifikante Steigerungen müssen wir eigentlich nicht mal reden. Die finden bei den meisten kleinen bis mittleren Unternehmen eh nicht statt.

Das Resultat ist dann ein von Zielen losgelöster Plan der schwammig genug ist um nicht an Erfolgen gemessen werden zu müssen. Durch das Fehlen von klassischen Kennzahlen und Herleitungen hat man nun also eigentlich eine Aufstellung von Kosten für das Jahr ohne explizite Beschreibung wie Ziele zu erreichen sind und ab wann es ein Erfolg war.

So ein Plan hat natürlich gerade in der Vergangenheit seine Berechtigung gehabt. Werbungen in Print wurden für das gesamte Jahr gebucht um entsprechende Rabatte zu bekommen. Genau so wie Kosten für das Buchen von Banner Plätzen auf Webseiten oder anderen aus heutiger Sicht eher alten Maßnahmen.

Hier war einfach ein sehr strikter Plan mit langfristiger Planung notwendig, die Flexibilität war einfach auch bei den Werbemitteln nicht gegeben. Es begann also schon früh im Jahr ein Konkurrenzkampf um die verfügbaren Werbeplätze.

Auch klar ist das ein Marketingplan notwendig ist für die Übersicht der Kosten für das kommende Jahr. Als wichtiger Bestandteil der Kostenstrukturen zusammen mit Plänen über das Personal und andere.

Eine Evolution im Marketing

Mein Wunsch nach mehr Daten und einer auf Daten basierten Erfolgskontrolle zieht sich ja schon recht stark durch den gesamten Blog. Wenig überraschend sollte dann meine Einstellung sein, dass nur mit Daten vernünftig bewertet werden kann wie der Erfolg der Maßnahmen im letzten Jahr war.

Dafür muss natürlich sichergestellt werden das man sich schon am Anfang des Jahres überlegt wie Erfolge gemessen werden können für die geplanten Maßnahmen. Nur so hat man es dann auch in der Hand sicherzustellen das die Daten gesammelt werden für die Bewertung.

Aber auch sollte die Definition der Ziele jedem klar machen wofür eine Maßnahme eingesetzt werden sollte. Es sorgt also unter dafür das dann nicht angefangen wird zu verfremden nur weil das vorher definierte Ziel schwierig zu erreichen ist und man sich so ein Stück weit aus der Verantwortung nehmen will.

Neben den Daten bin ich ein Freund von Flexibilität, Flexibilität die genutzt werden kann um sich durch die schnell verändernde Marketingwelt einen Vorteil zu verschaffen. Wie oben bereits erwähnt, entsteht durch eine zu starre Struktur bereits am Anfang des Jahres eine Situation aus der man nur schwer ausbrechen kann.

Um diesem System zu entgehen sollte eine Betrachtung aus Kundensicht gestartet werden. Besonders geeignet ist dafür der Customer Life Cycle, der beschreibt, wie ein Kunde bei einem Kauf und darüber hinaus mit dem Shop / der Marke interagiert.

 

So ist es möglich seine Ressourcen entsprechend dem Status des Kunden zu verschieben und damit gezielt Einfluss zu nehmen. Es ist die Chance aus Kundensicht die Interaktion mit dem eigenen Shop zu gestalten und schwächen entsprechend auszubessern.

Die Vorbereitung

Trotz aller Variabilität müssen Ziele klar definiert sein, nicht nur um am Ende des Geschäftsjahres den Erfolg zu messen. Sondern auch die Maßnahmen untereinander zu vergleichen.

Hat man in der Vergangenheit oftmals die Situation gehabt das man nur eine limitierende Anzahl von Möglichkeiten in einem Bereich hatte, ist nun die Situation eher ein Überangebot. Natürlich konnte man auch früher viel machen, doch hat man beispielsweise in der Vergangenheit 10 Magazine gehabt in der Zielgruppe die relevant waren. Heute gibt es tausende von Blogs und Plattformen die als Informationsquelle dienen können, nur um ein Beispiel zu nennen.

Neben den Zielen sollte schon am Anfang des Jahres ein Erster Überblick vorhanden sein über die Möglichkeiten in dem jeweiligen Segment. Konkret muss man sich die Frage stellen was in einem Journey Step eine Maßnahme sein kann um etwas zu verbessern.

Einige Vorschläge können der oberen Grafik bereits entnommen werden, andere bilden sich durch das setzen entsprechender Ziele.

Ein oftmals gemachter Fehler bei der Verteilung von Budget und der Auflistung von Maßnahmen ist eine zu grobe Aussage. Beispielsweise Geld in „Facebook“ zu investieren als ein Punkt im Marketingbudget. Das hilft leider nicht wirklich weiter, weder entstehen dadurch Ziele, noch ist es so möglich genau festzulegen was gemacht werden soll.

Praktisch alle Maßnahmen können in unterschiedlicher Art und Weise durchgeführt werden. Selbst eine Print Anzeige kann in vielen unterschiedlichen Varianten gespielt werden! Gleiches gilt für Facebook, Google AdWords und ähnliches, die Möglichkeiten der Werbung sind oft vielfältig und müssen entsprechend auch betrachtet werden.

Fazit

Der Marketingplan zum Start des Jahres ist immer wieder ein heikles Thema. Persönliche Befindlichkeiten, Bauchgefühle und Stimmungsmache beeinflussen die Gespräche. Der Weg zu einem auf Daten und Fakten basierenden Plan ist bei vielen Unternehmen noch sehr weit weg.

Dabei berauben sich diese Unternehmen vieler Möglichkeiten und insbesondere einem Lerneffekt. Dieser bleibt oftmals vollkommen außen vor und so werden Maßnahmen deutlich länger ausgeübt ohne Erfolge zu bringen als notwendig.

Auch die Herangehensweise zum Start des Jahres einen so langen Zeitraum zu Planen ist oftmals schon zum scheitern verurteilt. Dafür ändern sich die Möglichkeiten einfach viel zu schnell alle Anbieter haben das Bestreben bessere und wirkungsvollere Marketingmaßnahmen zu verkaufen. Daher wäre es ja unlogisch zu glauben das innerhalb eines Jahres nichts signifikantes passieren würde.

Darüber hinaus sind es auch die alten Denkmuster die immer noch dafür sorgen das wir uns der Realität nur schwer stellen. Schon immer so durchgeführte Maßnahmen werden auf Grund von vermeintlichem Erfolg in der Vergangenheit weiter geführt oder neue hinzu genommen ohne sie wirklich zu verstehen.

Es ist schwierig bei der Fülle an Möglichkeiten in der heutigen Zeit den Perfekten Plan zu erstellen. Doch vielleicht sollte man wenigstens versuchen in die richtige Richtung zu laufen anstatt auch in diesem Jahr wieder das Geld unreflektiert unter die Leute zu bringen.

Der Customer Centric Ansatz und der damit verbundene Versuch Budget auf den Lebenszyklus zu verteilen kann dabei helfen einen ersten groben Überblick zu erstellen und insbesondere auch schwächen in der eigenen Strategie aufzudecken.

Danach können wir für jede Phase potenzielle Maßnahmen identifizieren und diese untereinander vergleichen  hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit unsere Ziele zu erreichen. Auch ein Testen von verschiedensten Maßnahmen ist hier nun viel leichter da alle an dem gleichen Ziel gemessen werden.

United Airlines – Ein PR Desaster

Am 9.4.2017 kam es zu unschönen Szenen in einem Flugzeug von United Airlines. Dabei wurde ein Mann gewaltsam aus seinem Sitz gezerrt und unter Geschrei und laufenden Handy Kameras aus dem Flugzeug getragen.

Wer in den letzten Tagen hinterm Mond gelebt hat und das Video nicht gesehen hat, kann es hier noch mal sehen:

Die Geschichte zum Vorfall

Regelmäßig werden Flüge überbucht um den maximalen Profit zu erwirtschaften. Die Idee dahinter ist das oftmals Leute nicht kommen und dann Plätze frei bleiben würden. Durch die Überbuchung kann sichergestellt werden das auch diese Plätze dann gefüllt werden können.

Im speziellen Fall diesen Fluges, musste ein Team von United Airlines mit diesem Flug fliegen, um ihre Arbeit aufzunehmen. Dadurch startete der normale Ablauf für diesen Fall, es wurde nach freiwilligen gesucht, die bereit waren für bis zu 800$ bereit waren auf ihren Flug  zu verzichten.

Doch durch die Situation das ein gesamter Arbeitstag verloren gegangen wäre, Flug am Sonntag, haben sich nicht genug Freiwillige gemeldet. Was dazu führte das UA (United Airlines) entschlossen hat zufällige Personen auszuwählen. Einer davon ist der im Video gezeigte Dr. David Dao.

Wie berichtet wurde, war Herr Dao ursprünglich sogar einer der freiwilligen um auf den Flug zu verzichten. Erst nach dem festgestellt wurde das es keinen weiteren Flug am selben Tag gab, hat sich die Meinung bezüglich des Angebotes geändert.

Den Rest der Geschichte zeigt das Video oben…

Die Reaktionen

Wir leben in einer ultra verbundenen Welt, Nachrichten erreichen die andere Seite der Welt in unter einer Sekunde. Genau so hat sich auch die Geschichte verbreitet. Leute aus der ganzen Welt haben so einen Eindruck dieser Fluglinie bekommen, obwohl sie vielleicht noch nie damit geflogen sind.

Selbstverständlich sind es gerade die Sozialen Medien die nun die Nachricht tragen und für einen Sturm der Entrüstung sorgen.

Dazu kommen die Zahlreichen Leute die zu einem Boykott aufgerufen haben und demonstrativ ihre UA Karten zerschnitten haben:

Und wie verhielt sich der CEO?

Eher unglücklich … ein vollkommen unangebrachtes Statement das nicht unbedingt dafür gesorgt hat hier die Wogen zu glätten. Vielleicht wurde zu dem Zeitpunkt das Ausmaß vollkommen unterschätzt. Dabei gilt der CEO als ausgewiesener PR Experte und wurde in der Vergangenheit bereits für seine Wortwahl gelobt.

Was mich an dieser Geschichte interessiert

Ungerechte Situationen gibt es täglich überall auf der Welt. Das es diesmal eine Fluglinie trifft ist daher auch nicht so verwunderlich. Für mich auch eigentlich kein Grund darüber zu schreiben. Was mich aber an dieser Geschichte interessiert, sind die Auswirkungen und die Reaktionen der Wettbewerber.

Hat man weiter oben schon die Reaktionen einiger Leute gesehen, werden die Ereignisse heute fast selbstverständlich auch von dem Wettbewerb aufgenommen. Dadurch möchte man sich selbst positionieren und natürlich auch die Aufmerksamkeit für sich selber nutzen.

Nicht alle gezeigten Bilder kommen direkt von den Airlines, da allerdings oftmals unklar ist ob es sich bei den Erstellern um Leute mit einem starken Bezug zu dem Brand handelt oder eine PR-Aktion werfe ich diese mal in einen Topf. Insbesondere, weil ich nicht die gute Arbeit der Airlines loben will, sondern darauf hinweisen möchte welche Konsequenzen entstehen.

Und die Folgen?

Neben der extrem negativen PR, dem Verlust einiger Stammkunden, gibt auch die Börse gerade nach. Seit dem 11.4 verlor das Unternehmen nun 1,64% an der Börse!

Ob der finanzielle Schaden durch den Einbruch an der Börse auf lange Zeit bestehen bleibt oder nicht werden wir sehen. In der Regel normalisiert sich nach einer solchen Aktion der Marktwert wieder. Oftmals, weil es kaum Alternativen gibt und viele Leute ja trotzdem auf die Flüge angewiesen sind.

Doch der PR-Schaden wird sicherlich noch einige Zeit anhalten, auch ist bis jetzt das Krisenmanagement noch nicht wirklich besonders positiv in Erscheinung getreten. Was bedeutet das es durchaus noch schlimmer kommen kann abhängig davon was aus einem Prozess oder ähnlichem wird.

Insbesondere wenn gleich die nächste Schlagzeile kommt: „Paar wird auf dem Weg zur eigenen Hochzeit aus Flugzeug geworfen“

Ein weiteres insbesondere finanzielles Problem könnte entstehen falls auf Grundlage der Skandale der jetzige CEO abtreten muss. Dies wird in der Regel von der Börse anders aufgenommen und kann so zu langfristigen Probleme führen.

Der Lerneffekt

Das wir alle mittlerweile ein Handy haben und so Bilder und Videos überall zu jeder Zeit aufnehmen können, ist sicherlich nichts neues, auch die Tatsache das jeder seine eigene Plattform hat um sich auszutauschen, sei es Twitter, Facebook, Instagram oder ein Blog birgt wenig neues.

Doch durch diese Gegebenheiten muss man sich auch mit anderen Situationen auseinandersetzen, musste man früher zur Zeitung gehen mit solchen Geschichten. Ist nun selbst ohne die Bitte des Betroffenen die Geschichte um die ganze Welt gegangen.

Diesen Effekt macht sich das Marketing gerne zu nutzen um Positive Nachrichten in die ganze Welt zu tragen, aber der Fall von UA hat auch wieder gezeigt welche negativen Folgen es haben kann für Unternehmen.

Der Umgang mit Krisen und mit den Sozialen Medien muss gelernt werden, bei schlechtem Management können die Folgen dramatisch sein. Auch eine Insolvenz nach einer ähnlich gelagerten Situation ist nicht ausgeschlossen. Die Kunden haben einfach einen anderen Einfluss als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Heute können wir einfach nicht mehr alle Kanäle steuern und kontrollieren, wir müssen also ständig wachsam sein und auf entsprechende Situation reagieren. Das verlangt eine ganz andere Form von Wachsamkeit und Aufmerksamkeit, aber auch eine Nähe zu den Personen und Kunden.

Solche Ereignisse sind es nämlich auch die ein mal mehr ans Tageslicht bringen wie es um die Marke gestellt ist. Wer setzt sich noch für einen ein? Kann man mit authentischen Reaktionen die Probleme abwehren? Ist genug Substanz vorhanden um sich aus der Situation zu kämpfen?

Am Ende werden die Kunden darüber entscheiden ob man solche Vorfälle verzeiht oder nicht.

Fazit

Für mich hat diese Geschichte zwei wichtige Erkenntnisse wieder verstärkt, es ist wichtig zu wissen wie man mit den Kunden umgeht. Krisen zeigen oftmals das wahre Gesicht, einige kommen gestärkt aus solchen hinaus weil entsprechende Vorbereitungen getroffen werden. Andere hingegen akzeptieren die neue Macht der Kunden nicht und ignorieren die Stimme der Vielen.

Der zweite Punkt für mich ist der Umgang des Umfeldes mit der Situation. Ich habe Tweets gesehen wo Emirates Passagiere sich darüber lustig machen was bei UA passiert ist und damit „prahlen“ das sie von Emirates ein gratis Update bekommen haben als ihr Flugzeug überbucht wurde.

Solche Situation können einfach von vielen Seiten ausgenutzt werden, so lange die Aufmerksamkeit entsprechend auf dem Problem liegt.

Man sollte sich also immer die Frage stellen, wie man selber reagiert und ob man für solche Situationen bereit ist. Oder ob man als Firma am Ende einfach hilflos der Situation ausgeliefert ist.

Es ist einfach unheimlich wichtig geworden auf die Kunden zu hören. Wer die Signale ignoriert bekommt die Quittung und war es früher nur eine lokale Geschichte, ist man nun so öffentlich das es gleich die ganze Welt erfährt.

Bitte Twitch, komm zurück!

Es ist ein normaler Tag in der Woche, man hat ein bißchen Zeit und sucht nach einer entsprechenden Unterhaltung um damit der Arbeit am Abend ein entspanntes Umfeld zu geben. Hat man gerade nichts was einen auf Netflix interessiert, fällt mein Blick insbesondere auf eSports.

Dann die Verwunderung, es läuft die ESL Pro League in Counter-Strike, aber nicht auf Twitch. Irgendwie scheint dies an mir vorbeigegangen zu sein, vielleicht insbesondere weil es nicht auf Twitch lief? Auf ein mal funktionieren die Mechanismen nicht mehr.

Man guckt bei Readmore.de nach den Streams und stellt fest das dort kein Stream eine relevante Anzahl an Zuschauern hat. Der ESL Pro League Kanal liefert Re Runs von alten Zeiten, scheinbar nichts interessantes heute Abend. Auf der Twitch Startseite wieder einige Lets Player und andere Spiele für die ich mich wenig begeistern konnte.

Doch dann die Verwunderung, warum spielt denn NIP heute Abend und es wird nicht übertragen? Natürlich wird es übertragen! Doch eben nicht auf Twitch. Jetzt läuft also die größte CS:GO Liga, was Zuschauer angeht, nicht mehr auf Twitch. Nun müssen wir uns also mit einem anderen Anbieter beschäftigen.

Nachdem eher kleinere Events, der B-Stream oder ansonsten eine Kopie bei YouTube lief, gibt es nun die Exklusivität. Vermeintlich ein Bereich der besonders gut von Twitch besetzt war. Wurde nicht zuletzt ehemalige eSports Größen beschäftigt um die Exklusivität und die Partner zu binden.

Der überraschende Wandel

Gerade die ESL als Ausrichter der Liga war ein enger Verbündeter und Nutznießer von Twitch. Die Verbindung sorgte für Branding bei der gamescom inklusive einer VIP Area für selbige. Aber auch sonst war Twitch omnipräsent auf Events der ESL. Ist dies nun vorbei?

Zumindest ist es ein herber Schlag für Twitch, nach dem mehr oder weniger starken Monopol in der Übertragung von Computer Spielen konnten einige Versuche abgewendet werden von neuen Playern im Markt verdrängt zu werden.

Nicht nur durch die Übernahme von Amazon sollte auch das notwendige Geld und die Ressourcen vorhanden sein, doch durch die Übernahme hat man sich auch zunehmend der breiteren Masse geöffnet. Was zu neuen Formaten und einem zusätzlichen weiteren Publikum gesorgt hat.

Die Macht vom Content

Am Ende werden die Leute den Inhalten folgen, schafft man es also nun aus Google/YouTube Sicht weitere attraktive Inhalte aus dem eSport auf die eigene Plattform zu ziehen, werden die Besucher zwangsläufig folgen. Die Hürde ist ja nicht besonders hoch die Webseite zu wechseln.

Verstanden hat das eigentlich Twitch schon ziemlich frühzeitig, wie oben schon angesprochen hat man sich stark um die Partner gekümmert und diese durch Verträge auch gebunden. Wie genau ein Partnervertrag aussieht kann ich leider nicht sagen, aber offenbar hat man die ESL und andere nicht langfristig genug gebunden. Oder es zumindest nicht geschafft die Verträge zu verlängern und somit die Relevanz beizubehalten.

Vielleicht ist die Situation auch einfach das nach der Einführung von YouTube Gaming es schon früh Gespräche mit den relevanten Content Providern gegeben hat und man jetzt erst die Möglichkeit hatte zum Wechsel.

Wie Twitch es nicht geschafft hat sich unverzichtbar zu machen

Aus dem Monopol hat Twitch leider viel zu wenig gemacht, die Infrastruktur trotz der Unterstützung von Amazon hat nicht dazu geführt das die Qualität der Übertragung signifikant verbessert wurde. Regelmäßig haben immer noch Leute mit Abbrüchen, schwankender Bildqualität und anderen Effekten zu kämpfen.

Dazu ist trotz der frühzeitigen Spezialisierung auf Gaming, erschreckend wenig für die Zielgruppe erstellt worden. Was hat man denn wirklich an zusätzlichen besonderen Funktionalitäten geschaffen?

Dabei wäre ja durchaus die Gelegenheit gegeben gewesen, was ist beispielsweise mit der Anzeige von In-Game Score Informationen in einem entsprechenden HUD? Unterstützung für eigene POVs falls man nicht dem Streamer folgen will? Wie wäre es gewesen Übersichten wie Karten außerhalb vom Stream oder auf einem 2. Screen zu präsentieren?

Es hätte sicherlich eine Menge von Funktionen geben können um durch Funktionalität ein Alleinstellungsmerkmal entstehen zu lassen, was für eine stärkere Bindung sorgt. Nun hat man sich in eine Situation begeben wo man immer noch über die Qualität des Streams reden muss und da hat sicherlich ein Player wie YouTube auch einiges an Expertise.

So ist man nun in der Situation wenn man die Plattformen vergleicht das einem selbst als Zuschauer egal sein kann wo man guckt. Hat YouTube den Vorteil das die Inhalte direkt auch als Video zur Verfügung stehen während des Streams und man so jederzeit anhalten kann.

Bietet Twitch noch ein wenig mehr was den Bereich der Verknüpfung mit Spielen angeht, beispielsweise das direkte Streamen aus Spielen heraus oder Perks durch das zugucken.

Insgesamt unterscheiden sich die beiden Plattformen leider nun zu wenig, was schade ist da man sich ja gerade als Twitch dem Gaming Umfeld verschrieben gefühlt hat, während ein YouTube noch immer den Großteil seiner Inhalte mit Katzen erstellt.

Warum ich lieber Twitch im eSport sehen will

Der Kampf zwischen Amazon und Google ist sicherlich ein Kampf zwischen zwei extrem starken Parteien und auch Monopolen. Beide haben in anderen Bereichen besondere Stärken, doch was ich mir gewünscht hätte, wäre insbesondere durch die immer stärker werdende Attraktivität von eSports, eine andere Plattform für Werbung als Google und Facebook.

Nun sind wir wieder in einer Situation das vielleicht auf lange Sicht Google die Werbung wieder auf sich konzentriert. Durch die bereits gute Infrastruktur AdWords ist hier die Buchung von Werbung natürlich schon deutlich weiter als es der Fall bei Twitch ist.

Doch gerade die noch nicht perfekte Werbeplattform war es die Twitch auch attraktiv gemacht hat, durch mehr Zeit und Einsatz  konnte man es so schaffen das ein Invest sich noch rechtfertigt. Preise waren noch nicht astronomisch und die Zugänglichkeit zu der Plattform war nicht so, dass jeder einfach Werbung schalten konnte.

Im Google AdWords Umfeld ist man da schon deutlich weiter, durch die jahrelange Erfahrung ist der Zugang zur Werbeplattform für jeden zu bekommen. Das System ist entsprechend ausgereift, Targeting und sonstige Funktionen auf einem guten Stand. Das macht es für viele einfacher zum Start, treibt so aber auch den Preis insgesamt in die Höhe.

Für Twitch wäre es einfach die Chance gewesen von einem Spezialisten in dem Bereich, sich so zu etablieren das passend zu der Zielgruppe, eine Plattform entsteht, die nicht nur für den eSports gemacht wurde sondern diesen auch fördert.

Was mir einfach jetzt schon negativ auffällt, während die Werbung bei Twitch noch sehr generisch war, aber zum Thema Gaming gepasst hat. Muss ich mich nun auf YouTube ernsthaft mit Werbung ärgern lassen die ich insbesondere auf der Arbeit auch bekomme. Eben normale retargeting Werbung losgelöst vom Kontext in dem es gespielt wird.

Ich möchte einfach nicht in meiner Freizeit mit Werbung für meine Arbeit konfrontiert werden, dann doch lieber für neue Spielzeuge / Peripherie oder Spiele grundsätzlich. Das mag aber vielleicht auch einfach noch davon getrieben sein das durch die recht geringe Reichweite bei YouTube Live noch nicht alle Player auf den Zug aufgesprungen sind!

Der Ausblick

 

Ob der Kampf nun schon zu Ende ist und Twitch verloren hat mag ich nicht sagen. Natürlich gibt es immer noch jede Menge Leute die regelmäßig Ihre Inhalte auf Twitch zeigen. Was mich aber wirklich verwundert, in der Regel werden solche Verschiebungen durch Innovationen getrieben und nicht so sehr durch mehr Geld.

Ich hoffe das es sich dahin entwickeln wird, das dass Abwandern einiger Content Provider Twitch aufwecken wird. Und man sich dann dazu entschließt mehr zu investieren um diese wieder zurück zu holen. Nicht unbedingt in mehr Geld für die Producer, aber in Funktionen und Innovation.

Das würde glaube ich allen Seiten sehr gut tun!

Was ist Influencer Marketing, und was ist es nicht?

Influencer Marketing ist immer noch in aller Munde, durch rasant wachsende Zahlen von Followern und den Anstieg von relevanten Netzwerken wird auch der Markt für Influencer immer größer.

YouTube Stars wandeln nun auf den Spuren von TV und Musik Stars, werden eingeladen in TV Shows und machen Werbung für die ganz großen Brands unserer Zeit.

Die Vorstellung einigen wenigen Geld dafür zu zahlen um deren Reichweite für Werbung zu nutzen ist ja praktisch die Grundlage von Werbung, doch in der Vergangenheit waren diese einigen wenigen Fernsehsender, Tageszeitungen und Magazine.

Heute kann dank dem Internet und den Social Media Plattformen und Video Plattformen jeder Reichweite haben. Das führt dazu das wir nun nicht mehr dazu gezwungen sind bei einigen wenigen die Reichweite einzukaufen. Eine weitere Besonderheit ist die Art wie man heute zu dieser Reichweite kommt, nicht durch Rollen in Filmen und Serien sondern durch harte Arbeit und besondere Inhalte.

Es herrscht grundsätzlich noch die Stimmung das jeder mit genug Ehrgeiz diesen Weg einschlagen kann. Das macht es irgendwie sympathischer und greifbarer für die Potenzielle Zielgruppe. Darüber hinaus ist die Nähe zu diesen Leuten eine andere, hat man bei den etablierten Prominenten nur wenige Chancen diese wirklich selber zu treffen und mit ihnen zu interagieren, sind die Influencer von heute viel greifbarer für die Zielgruppe.

Dadurch entstehen ganz andere Arten von Bindungen zwischen dem Influencer und dem Konsumenten der Inhalte. Man fühlt sich nicht mehr nur als ein Zuschauer, sondern wird Teil einer Gruppe, teil der Fan Basis. Außerdem ist es auch viel einfacher möglich mit den Leuten zu interagieren. Sei es durch Kommentare, direkte Nachrichten oder spezielle Sessions wie die Reddit Ask Me Anything oder Q&A Sessions auf Facebook / YouTube.

Doch wofür stehen Influencer nun?

Influencer haben, wie der Name bereits andeutet, einen Einfluss auf die Zielgruppe. Die Follower und Fans haben eine direkte Beziehung zu dem Influencer und können so von diesem gelenkt werden. Konkret sehen viele in den Leuten ein Vorbild und können sich mit diesem identifizieren.

Das sorgt dafür, dass Produkte die vom Influencer vermittelt werden entsprechend gute Resonanz in der Zielgruppe entstehen lassen. Man vertraut seinem Vorbild und seiner Expertise oder dem Geschmack. Redet also die Person die regelmäßig YouTube Videos dreht über ein Produkt seiner Ausrüstung wird damit vermittelt das mit dieser man selbst auch in die Lage versetzt wird.

Es sind also diese Beeinflussungen die es den Werbetreibenden angetan haben. Das Vermitteln der Werte von Produkten in der Hoffnung das daraus ein Kaufverlangen in der Zielgruppe entsteht. Insbesondere die Vorstellung sich durch das kaufen von einem Produkt auch ein Stück vom Influencer zu kaufen ist weit verbreitet.

Dabei ist die Art der Influencer und deren Plattformen weit gefächert. Egal ob Beauty, Gaming spezielle Berufsgruppen oder Fitness. Auf Plattformen wie YouTube, SnapChat, Facebook, Twitter, Instagram … Für praktisch alle Bereiche gibt es Leute die für einen Teil der Leute als Vorbild dienen und so eine Art Leitbild abgeben.

Die Grenze zwischen Sponsoring und Influencer Marketing

Was unterscheidet nun Influencer Marketing von einem klassischen Sponsoring? Während beim Sponsoring das Branding durch Platzierung von Werbung und Slogans im Vordergrund steht, geht es beim Influencer Marketing darum eine auf die Zielgruppe angepasste Botschaft zu transportieren. Es geht darum auszubrechen aus dem klassischen Werbeumfeld und dem Produkt durch den Influencer ein freundliches Gesicht zu geben.

Ein High Level Empfehlungsmarketing, wenn mein „Vorbild“ der Meinung ist, dass dieses Produkt, für das er scheinbar relevante Qualifikationen hat für die Bewertung, gut ist, dann kann ich dem wohl glauben. Es geht also darum glaubhafte Beziehungen und Nutzen vom Produkt zu transportieren.

Dabei ist die Glaubwürdigkeit ein ganz entscheidender Faktor, anders als bei traditioneller Werbung kann durch das falsche Produkt und eine falsche Bewerbung schnell ein enormer Schaden in der Fanbase entstehen. Auch sind die Wege beim Influencer Marketing deutlich kürzer hin zur negativen Stimmung gegen eine Marke.

Influencer Marketing ist also der deutlich anspruchsvollere und heiklere Bereich im Vergleich zu der Platzierung auf dem Trikot bei einem Sportverein oder einem Schauspieler für den TV-Spott zu engagieren.

Nutzen und Chancen

Trotzdem lohnt sich der Aufwand häufig, wenn man sich darüber klar ist was Influencer Marketing ist und was es nicht ist. Die Verbindung die diese Leute mit ihrer Fanbase aufgebunden haben, kann direkt zur Beeinflussung dieser genutzt werden. Produkte die glaubhaft vermittelt werden können vom Influencer haben so in der Zielgruppe eine erhöhte Chance für einen Kauf.

Auch der Bereich von Discovery funktioniert an sich sehr gut. Also den Leuten neue Produkte zu zeigen die sie vielleicht nicht auf dem Schirm hatten. Voraussetzung bleibt aber auch hier das es eine Verbindung zwischen dem Produkt und dem Influencer gibt.

Darüber hinaus sind die Preise von Influencern heute auch durchaus noch moderat in vielen Bereichen, ja es gibt auch die Situation das man horrende Preise zahlt. Doch es ist immer noch möglich mit vergleichsweise wenig Geld Partner zu finden bei der sich die Kooperation durchaus lohnt.

Die möglichen Chancen sind also durchaus vorhanden, attraktive Konditionen vorausgesetzt muss sich Influencer Marketing was die Performance angeht nicht anderen Kanälen geschlagen geben. Darüber hinaus erzeugen solche Kooperationen ähnliche Peaks wie TV Werbung und andere High-Impact-Werbeformen.

Die Messbarkeit

Ein Problem was ich immer wieder bei noch nicht final etablierten Kanälen finde ist die Messbarkeit. Wie sollen Marketing Manager bewerten ob ein Kanal im Vergleich zu anderen gut oder schlecht ist? Aber auch der Vergleich zwischen Influencern ist oftmals nicht trivial.

Natürlich kann man einem Bauchgefühl folgen, doch wenn man sich für ein Investment rechtfertigen muss und große Namen nicht wirklich helfen, wird man früher oder später sich mit den wirklichen Zahlen und der Wirkung auseinandersetzen müssen.

In einer idealen Welt würden wir gerne den Kanal wieder mit Verkäufen verknüpfen. Da uns aber nicht immer der Luxus zu teil wird alle Links entsprechend zu taggen und natürlich auch durch die Platzierung von Produkten oder Aussagen, Leute aufmerksam gemacht werden sollen, ist ein normales Link Tracking relativ schwierig.

Ein erster Schritt zur Transparenz ist die Reichweite der Influencer, dazu können recht einfache Metriken verwendet werden. Die Anzahl von Unique Visitors im Blog, die Follower in den Social Media Kanälen etc. Dies ermöglicht eine erste Einschätzung zur Reichweite zum Vergleich mit anderen.

Der zweite Schritt kann dann die Kontrolle der Views sein, Page Views beim Blog, Reach der Postings, Video Views  auf YouTube. Damit kann verstanden werden wie aus der potenziellen Reichweite, effektive Reichweite und Sichtbarkeit wird. Daraus kann verstanden werden wie Loyal die Follower Basis ist, aber auch wie Content auch außerhalb der eigenen Follower verbreitet werden kann.

Im dritten Schritt sollte es dann um die Interaktion gehen. Die Anzahl der Kommentare unter einem Blog Posting, die Likes auf FB, die Likes / Kommentare auf YouTube. Also wie stark interagieren die Leute mit dem Inhalt. Diese Information kann einerseits dazu verwendet werden um zu identifizieren welche Inhalte gut bei der Zielgruppe ankommen, sind aber auch praktisch das stärkste Signal um zu verstehen ob die Zielgruppe mit dem Inhalt auch verbunden fühlt. Dies ist insbesondere relevant, wenn nicht wirklich die ganze Geschichte erzählt wird durch die Views. Beispielsweise, weil ein Video View nicht aussagt ob der gesamte Inhalt konsumiert worden ist.

Schritt vier wäre dann die Transformation vom Influencer zum Ziel, also unserem Shop oder das was wir bewerben wollten. Dabei hilft natürlich das taggen der Links, aber auch zeitliche Nähe kann genommen werden. Zum Zeitpunkt des Postings sind die Views oftmals am höchsten, diese Information kann genommen werden um Aufrufe, auch wenn diese direkt sind, zu identifizieren und zumindest anteilig dem Influencer zuzuschreiben. Auch die Vorstellung wenn man alle andere Kanäle sehr klar unter Kontrolle hat, müssen die Outlier potenziell durch diesen Kanal gekommen sein.

Dafür muss aber wirklich alles andere sehr gut unter Kontrolle sein, was leider oftmals nicht der Fall ist. Weitere Möglichkeiten bieten sich durch kleine bis mittlere Umfragen bei den Kunden um zu verstehen worüber diese gekommen sind. In der Vergangenheit vor den ganzen Gutscheinportalen waren Gutscheine auch ein attraktives Mittel um so die Verbindung mit dem Kanal der sie ausgibt herzustellen. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung von externen Daten, beispielsweise kann man in Facebook einsehen was für Fanpages Besucher der eigenen Seite geliked haben und bei einer Verschiebung entsprechend zumindest eine Tendenz erkennen ob die Leute es zum Ziel geschafft haben.

Am Ende sollte man sich einfach intensiv mit den Daten beschäftigen und versuchen eine Grundlage zu schaffen auf der man arbeiten kann. Selbst wenn die KPIs nicht unbedingt die besten sind von Anfang an, ist es dennoch deutlich attraktiver mit positiv korrelierenden Daten zu arbeiten als jedes Jahr aufs neue bei null zu starten.

Ausblick

Influencer Marketing wird auch in den nächsten Jahren weiter steigen, die Anzahl an Leuten die Content Produzieren und sich so als mögliche Werbepartner etabliere steigt täglich. Getrieben von Technologien und Möglichkeiten wird die Einstiegshürde immer weiter fallen.

Gerade am Anfang von neuen Bereichen gibt es immer die Möglichkeit günstig sich zu beteiligen und sich einen Profit über Arbitrage zu erarbeiten. Doch auf lange Sicht werden diese Kanäle auch in eine Situation kommen wo man genauer hingucken muss.

Daher ist es mir besonders wichtig frühzeitig sich auf Daten zu verlassen, denn nur so kann auf lange Sicht gewährleistet werden das man die richtigen Entscheidungen trifft.