Die Situation bei Notebooksbilliger

Wenn in meiner „Heimatbranche“ der Elektronik große Interviews und Diskussionen entstehen bin ich immer sehr froh etwas mehr Einblicke zu gewinnen. Daher hat mich besonders das Kassenzonen Interview mit NBB Chef Arnd von Wedemeyer gefreut.

Historisch bedingt war für mich NBB im Vergleich zu Cyberport immer nur zweite Wahl. Ich finde man merkt einfach den Unterschied zwischen einem Investoren und Zahlen getriebenem Ansatz und dem von NBB der etwas weniger zielstrebig und auf weiche Faktoren setzt.

Das bedeutet nicht zwangsläufig das ein NBB nicht auch gute Ansätze vertreten könnte und das die Unternehmensführung und Form einen entscheiden Faktor aus macht. Trotzdem beobachte ich die beiden nun seit einigen Jahren und für mich sind die Unterschiede mehr als spürbar.

Auch wenn, in der nahen Vergangenheit der Umsatz eher bei NBB lag als bei Cyberport … was aber auch nicht die volle Wahrheit und das gesamte Bild abgibt. Dazu kommt einfach für mich auch das spannende Jahr 2017 für Cyberport, nach einer Offensive auf dem Job Markt hat sich glaube ich Cyberport da ein wirklich sehr zukunftsfähiges Team gebaut deren Einfluss sich aber auch erst in den nächsten Jahren wirklich zeigen wird.

Ich möchte an dieser Stelle gerne mal auf das Interview und die für mich entscheidenden Passagen eingehen:

Wir hingegen sind gut darin, Produkte zu verkaufen, die erklärungsbedürftig sind und bei denen sich der Kunde zum Zeitpunkt der Grundentscheidung, dass er etwas kaufen will, noch nicht sicher ist, was er möchte.

Diese Aussage hat NBB in den vergangenen Jahren durchaus öfter wiederholt. Den Anspruch zu der Informationsquelle für den Kauf von Notebooks und Co zu werden um so einen Mehrwert zu generieren. Trotzdem muss man hier auch mal sich angucken in was das konkret mündet im aktuellen Shop:

Produktbeschreibung von „Beliebtestem Notebook“

Eine wenig ansprechende Produktbeschreibung mit mäßigem Inhalt. Genauer ausgedrückt werden die Technischen Eigenschaften einfach nur in ein vorher definiertes Template gefüllt, zumindest wirkt es so. Dabei ist der erste Eindruck mehr als ernüchternd für einen Artikel der anscheinend sehr beliebt ist.

Hier kann ich zumindest dem Argument des verbesserten Informationsangebots wenig abgewinnen. Dazu ist im Vergleich zu Amazon der Social Proof durch Bewertungen eher gering. Was einer der stärksten Faktoren ist für die Auswahl von Produkten im Internet. Konkret in dem Fall geht es um die Bewertungen die bei Notebooksbilliger eher gering ausfallen.

Natürlich hat NBB nicht nur die Produktbeschreibungen als mögliches Mittel. Doch der „Notebook-Berater“ ist nicht mehr als ein leicht grafisch aufbereiteter Filter der eigentlich keinen überwältigenden Mehrwert liefert und darüber hinaus Leute dessen Kenntnisstand über die Produkte minimal ist häufig Kopfzerbrechen auslöst.

Da wünscht man sich beispielsweise für ein Spielenotebook eine schnelle SSD und bekommt am Ende dann doch nur ein Produkt mit einer gewöhnlichen HDD. Auch die Werbetexte sind oftmals mehr als dürftig, wer bei 15 Zoll und Auflösungen UNTER Full HD von „Hochauflösend“ spricht, weckt bei mir nun nicht unbedingt vertrauen.

Wir haben im Notebookbereich einen Marktanteil, der so groß ist, dass wir uns Produkte von den Herstellern wünschen können. Und die sind dann garantiert einzigartig, relevant und gut. Wir haben SSDs dann vielleicht vor allen anderen auch in günstigen Geräten. Oder bestimmte Grafikkarten in Kombination mit bestimmten CPUs.

Das kennen wir doch irgendwo her als Vorgehen oder? Genau, bei der weißen Ware als diese den Weg ins Internet geschafft hat. Dann war auf einmal der Fernseher für Media Markt und Saturn ein wenig anders als die Online Produkte. Doch das Ziel war dort mit SICHERHEIT nicht das bessere Produkt zu haben, sondern sich dem Preisvergleich zu entziehen.

Und genau das ist auch der Weg von NBB. Die wirklichen Top Produkte sind nämlich nicht die Spezialanfertigungen die sich NBB gewünscht hat, sondern die Varianten die der Hersteller vorher definiert hat. Denn der Markt ist für einen HP und einen Lenovo und Co ja nicht nur Deutschland und als Experte spielt sich NBB nun wirklich nicht auf.

Daher kann ich nur schwer verstehen wieso die Top A Brands ein Produkt das laut NBB besonders gefragt wäre nicht von sich aus produzieren würden und da erst den Input von einem lokalen Player benötigen sollte.

Arnd erzählt, dass notebooksbilliger.de das erste Acht-Zoll-Windows-Tablet in Deutschland, das von Dell kam, ein Dreivierteljahr lang exklusiv verkauft hat. Der Preisunterschied zu anderen Acht-Zoll-Notebooks wäre im Laden nicht zur erklären gewesen, notebookbilliger.de hat aber die Nachfrage geschaffen.

Die Geschichte kenne ich ziemlich gut, da direkt durch dieses Produkt wir uns bei meinem letzten Arbeitgeber dazu entschlossen haben selber ein Tablet in der Größe mit Windows anzubieten. Das Argument das dies aber durch NBB besonders getrieben wurde, kann ich wenig abgewinnen. Der Preis war sehr attraktiv da es sich um ein Windows und nicht Android Gerät gehandelt hat. Und gerade die Internet Affinen Nutzer haben natürlich direkt die Vorteile und Möglichkeiten erkannt.

Im Nachgang zu diesem 8 Zoll Tablet mit Windows kamen viele Alternativ Produkte wie das ONE Xcellent 8 oder das Volkstablet. Daher war definitiv der Markt für so ein Gerät schon deutlich früher existent und den Einfluss von NBB auf diesen Bereich würde ich eher gering ansehen. Da auch eher kleinere Buden durchaus einfach tausende von dieser Geräteklasse verkaufen konnten.

Beispiel: Wir sind in den letzten Jahren jeweils gut 20 % gewachsen, obwohl der Markt bei Notebooks und PCs um zwei bis drei Prozent und der Tablet-Bereich noch stärker geschrumpft ist.

Diese Marktzahlen beziehen sich aber auf den Gesamtmarkt und nicht unmittelbar auf den Endkundenbereich. Durch die gestiegene Leistung und das Ende der Notwendigkeit für Updates im Windows Umfeld gab es einfach keinen Druck mehr für die ganzen Firmen immer weiter zu aktualisieren. Dadurch ist ein Großteil vom Markt nicht mehr da, aber diese Verkäufe werden eh nur in kleinem Rahmen von NBB und Co abgefertigt.

Dazu kommt das hier oftmals auch Stückzahlen mit Umsätzen verglichen werden, denn die Umsätze steigen durch die Tatsache das ein Update nur dann spürbar ist wenn auch entsprechend Geld investiert worden ist.

Insbesondere im PC Bereich gibt es beispielsweise bei allen Spezialisten in diesem Bereich deutliches Wachstum. Daher ist da NBB definitiv keine Ausnahme oder ein besonderer Fall, sondern ist eher die Regel.

Kann NBB also wirklich dem eigenen Anspruch gerecht werden?

Ich finde es eher ernüchternd was Notebooksbilliger wirklich dem Kunden zeigt. Die Grundsätzliche Idee als Ratgeber für die Kunden zu fungieren ist sicherlich nicht neu aber dennoch eine gute. Allerdings ist die Umsetzung eher mäßig gelungen, daher kann ich von dieser seit Jahren bei NBB ausgegeben Strategie eher wenig finden.

Wenn man sich dazu noch die Traffic Quellen anguckt laut Simliarweb:

Und die Aufteilung bei Referrals

(https://www.similarweb.com/website/notebooksbilliger.de#overview)

Sieht man dann doch deutlich wie das Modell Notebooksbilliger funktioniert. Getrieben von Preis, entgegen der Aussage von NBB selbst, bei Idealo / Geizhals und Schnäppchenjäger auf MyDealz. Dazu das in der Elektronik Branche übliche SEO was wohl sicherlich auch bei NBB immer noch den Großteil des Umsatzes macht.

(SISTRIX Daten)

Gerade das Argument SEO ist übrigens oftmals der Grund warum man im Content Bereich aktiver wird. Daher sehe ich auch hier eher das Argument für ein wenig mehr Redaktionelle Inhalte zu Gunsten von SEO und dem daraus generierten Traffic und nicht so sehr getrieben von der Idee dem Kunden möglichst bei der Wahl des Produktes zu helfen.

Fazit

Auf Exciting Commerce wurde die richtige Frage gestellt:

Kann ein Notebooksbilliger nochmal den Anschluss finden?

Und gemessen an der momentanen Situation würde ich dies eher verneinen. Sicherlich ist NBB kein Kandidat der in den nächsten drei Jahren vom Markt verschwindet. Und durch die vorhandenen Ressourcen ist man sicherlich auch noch in der Lage sich zu verändern.

Doch wirklich Ansätze dazu sehe ich nicht, besonders der langfristige Konkurrent Cyberport hat hier einen deutlich besseren Eindruck hinterlassen und wird wohl eher kurzfristig NBB abhängen.

Dazu kommt die Stagnation im SEO und die fehlenden Zukunftsorientierte Ausrichtung, vielleicht auch das Selbstbild des Unternehmens das die entscheidenden Schritte für die Zukunft verhindert.

Für mich zählt ein NBB in der jetzigen Form eher zu den Kandidaten die auf lange Sicht verschwinden werden, als von Kassenzone betitelt einer der Player von dem „Amazon lernen kann“. Am Ende wird die Zeit uns die Antwort liefern und vielleicht kann eine kritische Betrachtung auch für eine Verbesserung und den Schritt in die richtige Richtung führen.

Zu wünschen wäre es unser Branche ja …

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